05.05.2013

Der Monat der Entscheidungen - Like a boss

Es ist Mai. Neues hat er aber in der Serie A nicht gebracht: Der Meister vom Vorjahr könnte heute mit einem Unentschieden gegen Abstiegskandidat Palermo die Titelverteidigung unter Dach und Fach bringen. Juventus ist in Europa noch nicht auf einer Stufe mit den Top-Teams, sind in Italien jedoch kaum zu schlagen. Bianconeri like a boss.

Noch spannender als in der Liga wird es am 26. Mai: Dann stehen sich der AS Rom und Lazio zum ersten Mal im Finale der Coppa Italia gegenüber. Nach den Ausschreitungen vor dem Meisterschaftsspiel im April (1-1) hoffen echte Fans, Funktionäre und die Stadtverwaltung auf ein friedliches Fußballfest. Ein aktueller Spot von Nike mit Francesco Totti und einem AS-Fan sorgt bereits jetzt für Gänsehaut. Derby like a boss.

Kommen wir wieder zur Meisterschaft: Kurze Zeit schien es so, als könnte der SSC Neapel Juventus die Stirn bieten, doch Weltklassestürmer Edinson Cavani allein reicht nicht aus. Der Uruguayer wird kaum zu halten sein, die Millionen aus England und Spanien locken. Aus der Situation tritt der Trainer gefestigt dar: Vereinsboss De Laurentiis hat einen neuen, hoch dotierten Vertrag und teure Transfers versprochen, um nicht auch noch den Architekten des Erfolgs zu verlieren. Walter Mazzarri like a boss.

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Neapolitaner nicht Vizemeister werden. Bezeichnenderweise ist il diavolo auf Platz drei: Der AC Mailand liegt jedoch ganze 7 Punkte zurück. Der Coach Massimiliano Allegri konnte die Mannschaft nach der miserablen Hinrunde wieder nach oben führen, aber die Unstimmigkeiten mit Berlusconi lassen seinen Abschied vermuten. Neben dem AS Rom sind Paris Saint-Germain und sogar die Stadtrivalen von Inter im Gespräch. Gerüchte like a boss.

Bei den nerazzurri geht es zurzeit drunter und drüber: Mit Platz sieben ist selbst die Europa League in Gefahr, fast die Hälfte des Kaders fehlt verletzungsbedingt. Erst letzte Woche erlitt Kapitän Javier Zanetti einen Achillessehnenriss. Der 39-jährige Argentinier muss sogar um seine Karriere bangen. Sogar Zanettis Landsmann Ruben Botta, der erst im Sommer zu Inter wechselt, fällt nun sechs Monate aus. Verletzungspech like a boss.

Den ansehnlichsten Fußball in diesem Jahr hat wohl die Fiorentina gezeigt. Ballbesitz und schnelle Kombinationen sind das Markenzeichen des Tabellenvierten. Jungtrainer Montella hat in weniger als zwölf Monaten Großes geleistet. Jedoch hat er einfach kein Glück, wenn er auf seinen Ex-Klub trifft.

Gestern Abend war der AS Rom zu Gast. Nach zwei Pfostentreffern und einem nicht gegebenen Handelfmeter wäre die Viola der verdientere Sieger gewesen. Doch in der ersten Minute der Nachspielzeit erhielt Rom den ersten Eckball der zweiten Hälfte: Das Enfant Terrible köpfte das einzige Tor des Spiels. Osvaldo like a boss.

P.S.: Was "Like a boss" bedeutet? Das folgende Video sollte es zu Genüge erklären.

28.03.2013

Der ewige Fußballer

Am 28. März 1993 nahm Deine Geschichte in Brescia ihren Lauf. Ohne Spektakel, ohne Aufsehen betratst Du die große Fußballbühne und doch fülltest Du schon die Herzen mit Neugier und Hoffnung.

Herzen wie das eines wenige Jahre jüngeren Kindes in Deutschland, dessen Wurzeln in der Ewigen Stadt liegen. Aus Traum wurde in Rom Tradition. In den Achtzigern und Neunzigern waren unsere Kapitäne Agostino Di Bartolomei oder Giuseppe Giannini. Söhne der Stadt, genau wie Du. Du hast aus Tradition eine Legende werden lassen.

Murales im römischen Viertel Monti - wikimedia.org

Viele kleine Jungen, die einem Fußball hinterherrennen, träumen davon, für ihren Verein zu spielen. Sei es auch nur eine Minute. Du stehst seit 20 Jahren für unsere Roma auf dem Platz. Pardon. Du rennst für Sie, Du zauberst für uns.

Deine fußballerische Größe ist messbar. Du hast Titel gesammelt, hast einen Rekord nach dem anderen eingestellt und bist mit 36 Jahren immer noch nicht fertig.

Deine menschliche Größe zeigt sich trotz oder gerade wegen Deiner Fehlbarkeit. Du hast auf Geld und Pokale verzichtet und bist in Rom geblieben. Du hast Dich zu Dummheiten hinreißen lassen und hast Dich entschuldigt. Du hast gravierende Verletzungen erlitten und bist wieder aufgestanden.

Doch vor allem hast Du Jungen wie mir gezeigt, dass man für immer ein kleiner Junge bleiben kann.

Du bist ewig. Wie Deine, wie unsere Stadt.

Francesco, bitte höre niemals auf.

11.01.2013

AS Rom in der FAZ: Mickey Mouse goes calcio

Die jüngsten Ergebnisse des AS Rom sorgten bei den Fans für emotionale Achterbahnfahrten. Vor Weihnachten glänzte das Team noch mit einem 4-2 gegen den AC Mailand, letztes Wochenende zeigte die Abwehr wieder all ihre Schwächen beim 1-4 in Neapel.

Für ein Lächeln sorgt derweil die komplette Umstruktierung des Vereins. So wird das Fundament für eine sichere Zukunft gelegt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beleuchtet diese Revolution in einem umfassenden Artikel.

01.12.2012

Eindrucksvoller Reisebericht durch die Fankurven Italiens

Auf ZDF info lief ein sehr eindringlicher Film über die aktuelle Lage der Fankultur im italienischen Fußball.

Der Italien-Experte Kai Tippmann wirkt im Film mit. Sein Blog www.altravita.com sei jedem ans Herz gelegt.

Vielen Dank an einen Freund, der mich auf den Bericht aufmerksam gemacht hat:
 
Verrückt nach Fußball - Eine Reise durch die Fankurven Italiens


Eine Fußball-Nation voller Widersprüche: Obwohl Italien als eines der Fußball verrücktesten Länder der Welt gilt, sind die Stadien leer und auch noch marode. Drei Fußball begeisterte deutsche Fans begeben sich auf eine Reise durch die Fankurven Italiens, “dem schönsten Teil des Spektakels Fußball.” Ihr Lohn: einen bleibenden Eindruck von den sprichwörtlichen “Italienischen Verhältnissen”.

10.11.2012

You can take the boy out of Rome, but you can't take Rome out of the boy

11. April 1999 - www.asromaultras.org
T minus 1 Tag zum Derby della Capitale. Morgen wird Zdenek Zeman nach 13 Jahren wieder auf der Trainerbank des AS Rom sein. Beim letzten Mal, am 11. April 1999, war ich selbst dabei. Viel zu lange war ich nicht dabei, das Herz blutet schon einige Jahre, weil ich zu lange nicht dabei war. Nichts kann mich derart mitreißen, nie liegen Glück und Leid so nah beieinander, niemand kann so viele Emotionen bei mir auslösen. Ich saß damals in der Tribuna Montemario und genoß den perfekter Blick auf das Spielfeld und auf die feurige Curva Sud. Rom gewann 3-1. Nesta, Vieri und Nedved hatten keine Chance gegen den Doppeltorschützen Marco Delvecchio. Den Schlusspunkt setzte Francesco Totti - damals wie heute Roma-Kapitän.

Trotz seiner 36 Jahre ist die Leitfigur immer noch unverzichtbarer Leistungsträger seines Teams. Mit seinen vier Toren in der laufenden Saison ist Totti in der Ewigen Torjägerliste nur noch 6 Treffer von Gunnar Nordahl (225 Tore) auf Platz 2 entfernt. Das Derby ist für Totti Fluch und Segen zugleich. Kein Spieler hat so viele Stadtduelle wie er bestritten (35) und gewonnen (12), aber auch verloren (13). Vom Torrekord von Dino da Costa (11) trennen ihn auch nur noch drei Treffer.

Osvaldo ist heiß auf Lazio - www.asromaultras.org
Der anfängliche Enthusiasmus beim AS Rom ist verflogen, das Derby wird zum wichtigen Prüfstein für Zdenek Zeman und seine Mannschaft. Mit 17 Punkten aus 11 Spielen (inklusive 3-0 gegen Cagliari am grünen Tisch) liegt Rom auf Platz 6 und damit 11 Punkte hinter Klassenprimus Juventus. Dank Osvaldo, Lamela und Totti hat Rom den besten Sturm der Liga - leider auch die zweitschlechteste Abwehr. Durch eklatante Abwehrfehler verspielte das Team bereits mehrmals sicher geglaubte Siege. Das 4-1 gegen Palermo amletzten Wochenende gibt dennoch Grund zur Hoffnung: Erstmals setzte das Team über weite Strecken die Ideen seines Trainers um und beherrschte das Spielgeschehen.

Nach zuletzt schwachen Auftritten liegt Lazio Rom liegt nur zwei Punkte vor dem AS Rom. Dabei wurde wieder deutlich, wie sehr die biancocelesti von Miroslav Klose abhängen. Das Spiel bietet schon durch die Tabellensituation genügend Brisanz. Doch am 11. November jährt sich auch der fünfte Todestag von Gabriele Sandri. Der AS Rom hatte angeboten, eine gemeinsame Pressekonferenz zu veranstalten, um ein Zeichen zu setzen - die Verantwortlichen bei Lazio Rom lehnten ab. Chance vertan.

30.09.2012

Buio pesto

Pesto? Das kennt man doch in Deutschland. Jedoch hat buio pesto wenig mit der ligurischen Küche zu tun. Es bedeutet schlicht und ergreifend stockfinster. So düster steht es um den AS Rom nach dem gestrigen Spiel beim Erzrivalen Juventus. Der Auftritt der giallorossi hatte nichts vom Geschmack der würzigen Nudelsauce - mit Ausnahme das Zerstampfte, was pesto im Grunde auch bedeutet.

Leerer Blick: Auch Totti konnte nichts richten - www.goal.com
Nach gerade mal 18 Minuten führten die Hausherren bereits mit 3-0. Unzählige Male wurde die dilettantisch agierende Abseitsfalle der Römer ausgehebelt. Die Partie wurde zum Spaziergang für den amtierenden Meister, der vor dem Halbzeitpfiff noch zwei Mal die Latte traf. Rom schaute fast nur zu. In der zweiten Hälfte traten die Gastgeber vom Gas, Rom konnte per Elfmeter den Ehrentreffer erzielen, bevor Giovinco in der Schlussminute den Torwart umkurvte und mit dem 4-1 den Schlusspunkte setzte.

Heim-Weh

Der Enthusiasmus um Zemans Rückkehr auf die römische Trainerbank ist so gut wie verpufft. Auch wenn Rom zum Teil sehr gut vor eigenem Publikum agierte, wurde noch keine Partie im Stadio Olimpico gewonnen. Gegen Bologna (2-3) und Sampdoria Genua (1-1) brach die Mannschaft in der zweiten Hälfte ein, gegen Juve war die Mannschaft von Beginn an nicht auf dem Platz.
 
Ein Glück, dass das letzte Woche abgesagte Spiel in Cagliari für Rom gewertet wurde. Die Partie in der Is Arenas hätte ohne Publikum stattfinden sollen, weil das neue Stadion, das wie ein übergroßer Einkaufswagen aussieht, noch nicht für Zuschauer freigegeben war. Trotzdem forderte am Vorabend der pittoreske Klubchef Cellino die sardischen Fans via Vereinshomepage auf, zum Spiel zu gehen. Der Präfekt musste darum das Spiel aus Sicherheitsgründen absagen. Solch einen Unsinn erlebt man nur in Italien. Cellino reagierte enttäuscht: "Ich habe nur Dauerkartenbesitzer einladen wollen, fasst alles Frauen und Kinder." Dass das Stadion eine halbe Baustelle ist und somit eine Gefahrenquelle darstellt, ist dann natürlich egal.

18.09.2012

Ohrfeigen für Rom, Feigen für die anderen

Dritter Spieltag. Und Rom macht mir schon das Leben schwer. Nach dem prestigeträchtigen Auswärtssieg bei Inter sind die giallorossi gegen Bologna wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. 70 Minuten dominiert und dann doch verloren. Zwanzig Minuten Wahnsinn bedeutete drei Ohrfeigen für Rom. Und für mich.

Der Start ins Spiel gegen die bisher punktlose Truppe aus der Emilia hätte nicht besser sein können: In der siebten Minute knallt Totti die Kugel aus 25 Metern an den Pfosten, Youngster Florenzi muss nur noch einnicken. Keine zehn Minuten zeigt der zuletzt umstrittene Lamela endlich sein Können und schaufelt den Ball mit Links ins lange Eck.

In der zweiten Hälfte lässt Rom zwar nach, doch das 3-0 scheint nah. Totti trifft jedoch wieder nur den Pfosten. Zemans Doppelwechsel im Mittelfeld in der 68. Minute erweist sich als fatal. Innerhalb von einer Minute (!) nutzt Bologna individuelle Abwehrfehler zum Ausgleich aus. Was darauf folgt, habe ich unzählige Male gesehen: Rom wirft alles nach vorne, der Gegner kontert, Niederlage. Nachdem Zeman in den letzten Tagen für Aufregung sorgte, weil er den Verband in einem Interview öffentlich angegriffen hatte ("Würden Sie mit einem Ihrer Feinde wie Verbandschef Abete auch etwas essen gehen" "Er ist nicht mein Feind. Er ist ein Feind des Fußballs."), befürchteten viele Fans in Rom, dass die Schiedsrichter für die Quittung sorgen würden. Da wurde aber die Rechnung noch nicht mit den eigenen Spielern gemacht.

Souveräner traten dagegen die cugini von Lazio auf, die mit solidem Fußball bei Chievo den dritten Sieg in Folge feiern durften. Klose traf zum zweiten Mal in dieser Saison, da macht es nichts, dass nun Abwehrspieler Zauri eine Million Euro Handgeld bei seinem Transfer von Sampdoria irgendwo in der Schweiz "verschwinden" ließ. Gegen den Spieler und seinen Berater wird nun wegen Geldwäsche ermittelt.

Ebenso gut sieht es auch bei Juventus aus. Nach einer schwachen ersten Hälfte bei Genoa, wendeten die Joker, die im Hinblick auf das Spiel bei Chelsea geschont wurden, das Blatt. Als erster Herausforderer von Juve gab sich auch Neapel bisher keine Blöße. Milan dagegen enttäuscht weiterhin und kassierte gegen Atalanta bereits die zweite Heimpleite. In der Champions League müssen die rossoneri nun für Wiedergutmachung gegen Anderlecht sorgen.