11.01.2012

Entschuldigt die Verspätung

Tottis Shirt: "Entschuldigt die Verspätung."
Nein, es geht nicht um die Deutsche Bahn, den Bundespräsidenten oder den langsam erwachenden Bartwuchs Eures 30-jährigen Blogautors. Pizza e Pallone hatte einen etwas längeren Winterschlaf, was auf jede Menge Stress zurückzuführen ist. Dafür geht es mit neuem Schwung in diesem Jahr weiter. Wie gut, dass ein noch etwas älterer Römer ebenso etwas nachzuholen hatte. Die Galionsfigur des AS Rom, Francesco Totti, hat am Wochenende endlich wieder in der Serie A getroffen, nach mittlerweile sieben Monaten.

Mit seinen beiden Elfmetertreffern gegen Chievo führte Totti seine Roma zum mittlerweile dritten Sieg in Folge. Aus der Baustelle von Trainer Luis Enrique ist mittlerweile ein erfolgreiches Team entstanden, das sterilen Ballbesitz endlich in Torgefahr ummünzen kann.

Die italienische Liga hat mit den Hauptstädtern und dem wieder erstarkten Inter Mailand zwei Protagonisten mehr, auch wenn Juventus, der AC Mailand und das Überraschungsteam aus Udine die Verfolger weiterhin auf Abstand halten. Dennoch verspricht die zweite Saisonhälfte viel Spannung im Kampf um die Meisterschaft. Bis Ende Januar ist der Transfermarkt zudem offen und sicherlich wird noch der ein oder andere Kracher den Verein wechseln. Die bisherigen Coups: Weltmeister Gilardino, der schon lange seiner Form hinterherhinkt, wechselte von Florenz nach Genua. Roms Edelreservist Borriello wurde an Juventus ausgeliehen, zudem erhofft sich Neapel vom Chilenen Vargas neue Offensivimpulse.

Für negative Schlagzeilen sorgte in den letzten Wochen der neue Wettskandal, in dem einige namhafte Spieler verwickelt sind. Allen voran Cristiano Doni. Der ehemalige Kapitän von Atalanta wurde vor Weihnachten in Gewahrsam genommen und gab zu, auf Fußballspiele gewettet zu haben. Dies ist in Italien jedoch allen Profis und Funktionären seit dem großen Skandal Anfang der Achtziger verboten. Hinter dem Wettskandal soll eine Bande aus osteuropäischen Wettbetrügern stehen.

Da die Mühlen der italienischen Justiz üblicherweise äußerst langsam sind, kann es noch lange dauern, bis etwas Handfestes vorliegt und alle Beteiligten ausfindig gemacht werden. Nach dem Schiedsrichterskandal, der vor der WM 2006 aufgedeckt wurde, kann sich der arg gebeutelte italienische Fußball keinen weiteren Imageschaden erlauben. Hoffen wir das Beste.

17.10.2011

Fußball ist nicht alles

Fußball kann einem die größten Glücksgefühle geben, aber auch für unendlichen Frust sorgen. Aber am Ende ist all das eigentlich nicht so wichtig, doch das begreifen wir oft nicht sofort. Das Derby zwischen Lazio und dem AS Rom am gestrigen Abend sah ich deshalb mit gemischten Gefühlen, doch dazu später mehr.

Nach der Länderspielpause war die Spannung groß, wie sich die großen Teams am 7. Spieltag präsentieren würden. Hauptaugenmerk lag dabei bei den Teams aus Mailand, die sich bisher nicht mit Ruhm bekleckert hatten. Bei Milan hatte Ibrahimovic für Aufsehen gesorgt, als er vom Trainingslager der Schweden verlauten ließ, er habe nicht mehr so viel Spaß am Fußball wie früher. So schnell wie möglich musste Präsident Galliani das Ganze dementieren, hatte der Verein, wie auch sein Boss Berlusconi, nicht schon genug Sorgen. Das überzeugende 3-0 gegen Palermo machte dann alle wieder glücklich.

Bei Inter sieht es dagegen düster aus. Vor der Pause gingen die nerazzurri mit 0-3 zuhause gegen Neapel unter, bei Catania lief es nicht viel besser. Trotz einer frühen Führung verloren Ranieris Schützlinge in der zweiten Halbzeit vollkommen die Kontrolle über das Spielgeschehen und bleiben weiter im unteren Teil der Tabelle hängen. Für eine Überraschung sorgte auch Parma, die bei Neapel einen Sieg einfahren konnten.

Richtig langweilig wurde es nach den Samstagspartien am Sonntagnachmittag. Gleich fünf Spiele gingen mit 0-0 aus. Italienischer Fußball in seiner Reinform? Es sah jedenfalls danach aus. Juve hatte noch zuvor gegen Milan überzeugend mit 2-0 gewonnen, bei Chievo Verona half auch die Einwechslung von Del Piero nichts. Dem Kapitän gelang nur ein Pfostentreffer per Kopf. Das einzige Spiel, bei dem Tore fielen war Novara-Bologna, was auf dem Papier wirklich kein Duell für Feinschmecker war. Für die Mannschaft aus der Hackfleischsoßenstadt war das 2-0 der erste Saisonsieg überhaupt.

Am Sonntagabend kam es dann zum Topspiel zwischen Lazio und der Roma. Nach den Randalen am Vortag in der italienischen Hauptstadt gab es Sorgen, doch das Spiel verlief ohne Zwischenfälle. Die letzten 5 Partien hatte Lazio verloren, was wohl beim AS Rom zu einer leichten Überheblichkeit geführt hatte. Vor allem, nachdem Osvaldo bereits nach 5 Minuten den Führungstreffer erzielen konnte und mit einem leicht abgewandelten Spruch auf dem T-Shirt feierte, mit dem Totti bereits 1999 die Lazioanhänger gefoppt hatte. "Auch ich habe euch ein Abfuhrmittel verpasst".

"Das geht nach hinten los", dachte ich mir. Und so kam es auch, in der 2. Hälfte setzte Lazio zu einem furiosen Angriffsspiel an, das nach wenigen Minuten mit einem Elfmeter und einer Roten Karte für den dämlichen Dänen Kjaer belohnt wurde. Nach 2 Aluminiumtreffern durch Klose und Cissé kapitulierte der AS Rom nach 92 Minuten und 30 Sekunden, als die Abseitsfalle zum wiederholten Male nicht funktionierte und Klose zum verdienten Siegtor einschieben Konnte. Aus Miro wurde "Mito", der Legendäre.

Nach dem ersten Schock fand ich jedoch schnell meine Fassung wieder. Es war ja nur Fußball. Eine schöne Nebensache, doch gibt es viel wichtigere Dinge im Leben, und oft wissen wir es nicht zu schätzen. Setzen Prioritäten, wo keine sind, regen uns über Dinge auf, über die wir uns freuen sollten. Ich wischte mir zwei Tränen aus den Augen und legte mich ins Bett.

27.09.2011

Happy Birthday, Capitano

Totti ist trotz seiner 35 Jahre immer noch agil.
Heute vor 35 Jahren kam Francesco Totti auf die Welt. Der kleine blonde Knabe von Enzo und Fiorella Totti wuchs in einer Familie von Romfans auf, im Herzen Roms. Dass er eines Tages das Herz der Römer erobern würde, konnte noch niemand ahnen. Doch in seiner mittlerweile zwanzigsten Saison als Profi angelangt, die er alle beim AS Rom gespielt hat, ist er mittlerweile über den Status einer Legende hinausgewachsen. Viele junge Fans kennen den Verein nicht ohne die unumstößliche Führungsfigur. Viele Höhen und Tiefen haben sie mit ihm geteilt, die größten Erfolge mit und dank ihm gefeiert. Trainer und Präsidenten kamen und gingen, Totti ist einfach.

Immer wieder wurde er totgesagt, so wie nach seinem Wadenbruch und mehrfachen Bänderriss im Februar 2006. Er kämpfte sich mit einem harten Training zur WM 2006 und wurde mit seiner Spielübersicht, seinen klugen Pässen und dem spielentscheidenden Elfmetertreffer im Achtelfinale einer der Helden der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland.

Auch die neue Saison, mit dem neuen Eigentümer Tom DiBenedetto - heute offiziell zum Vereinspräsidenten gekürt - und dem jungen Trainer Luis Enrique an der Spitze, startete für Totti unter einem schlechten Stern. Trotz aller Unkenrufe, trotz seiner 35 Jahre, ist er immer noch da und ist wegen seiner Klasse nicht aus der Mannschaft wegzudenken. Seine Karriere hätte sicher erfolgreicher sein können, wäre er bereits vor vielen Jahren zu einem internationalen Spitzenklub gewechselt und hätte er sein größtes Manko, seine Hitzköpfigkeit, überwinden können. Mit seiner Vereinstreue, seinen Tricks, sogar mit seinen heutigen Sprints, um am eigenen Strafraum die Gegner zu stören, ist er trotz all seiner Fehler eine vom Aussterben bedrohte Art.*

Am Wochenende konnte der Verein nach dem enttäuschenden Saisonstart auch endlich den ersten Saisonsieg feiern. Nach Osvaldos Kopfballtor im Stile Batistutas schüttelte die Mannschaft auch ihre Ängste ab und zeigte über weite Strecken eine beeindruckende Leistung mit viel Ballbesitz und gefährlichen Pässen in die Spitze. Mit Heinze und Burdisso scheint die Innenverteidigung auch gefestigt, auch weil Kjaer an Wolfsburger Zeiten erinnerte und in der Halbzeit ausgewechselt wurde. Es fehlt nur noch Tottis erstes Saisontor für eine perfekte Geburtstagswoche, mit einem Pfostenschuss war er gegen Parma schon sehr nah dran.

Auch unter der Woche wurde gespielt, wobei der AS Rom von Glück reden konnte, dass das Heimspiel gegen die munter aufspielenden Gäste aus Siena nicht sogar verloren ging. Nach dem Debakel bei Novara wurde bei Inter Claudio Ranieri zum Retter, es folgten prompt Siege bei Bologna und heute gegen CSKA Moskau in der Champions League. Milan tut sich ob seiner vielen Verletzten schwer, Juve, Neapel und Lazio finden auch noch nicht ganz zu ihrer Form. So ergibt sich ein äußerst enges Feld nach vier Spieltagen, wie schon seit zirka zwanzig Jahren nicht mehr.

Die vermeintlich "kleinen" Vereine spielen bisher gut mit, so dass die Meisterschaft sehr ausgeglichen ist. Während einige Kritiker darin eine Nivellierung des Leistungsniveaus nach unten sehen, begrüßen andere diese Entwicklung. Ich zähle mich zu Letzteren. Zwar werden sich meiner Meinung nach mit dem Fortschreiten der Saison die renommierten Klubs wie Inter, Milan und Juve wieder als Titelkandidaten herauskristallisieren, doch ist die Liga noch lange nicht ein Spielplatz für einige Auserwählte. Man sehe sich die Primera División an: Nach Barça und Real die Sintflut. Gerade weil dieses Jahr ein Champions-League-Platz weggefallen ist, wird es in der zweiten Saisonhälfte noch heiß hergehen.


* Einige Informationen stammen vom Wikipedia-Artikel über Totti. Da ich ihn selbst seit vielen Jahren pflege, ist alles mit Gewähr.

21.09.2011

Angst essen Inter auf

Wer das gestrige Spiel zwischen Aufsteiger Novara und Inter Mailand verfolgt hatte, sah auf der einen Seite eine durchorganisierte Mannschaft, die immer wieder aus einer soliden Defensive über drei, vier Stationen vor dem gegnerischen Tor auftauchte und selbst nur wenige Chancen zuließ. Das spielbestimmende Team stellte aber keinen Milito, keinen Cambiasso, keinen Sneijder auf. Die Helden des Tages hießen Morimoto, Rigoni und Meggiorini. Wahrlich keine größen des Weltfußballs.

Das Experiment Gasperini ist gescheitert.
Nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Italiens herabgestuft hatte, verspielte Inter Mailands Trainer Gian Piero Gasperini seinen letzten Kredit auf dem Kunstrasen von Novara. Bereits nach wenigen Minuten hätte ein Harakiri-Querpass von Chivu die Führung für den Liganeuling bedeuten müssen. Das verdiente Tor fiel dann doch noch nach einer schönen Kombination kurz vor der Halbzeitpause durch Riccardo Meggiorini. Der 26-jährige Stürmer hat den Großteil seiner Karriere in der dritten Liga verbracht, sein Erstligadebüt gab er jedoch bereits 2004. Als Nachwuchsspieler für Inter. In der zweiten Hälfte änderte sich nicht viel am Spielverlauf, bis in der 89. Minute der überforderte Nationalverteidiger Ranocchia den Japaner Morimoto vor dem Tor zu Boden riss: Rote Karte und Elfmeter, den Luca Rigoni verwandelte. Kurz darauf gelang zwar Cambiasso der Anschluss, kurz darauf war es wieder Rigoni, der im Nachschuss das endgültige 3-1 erzielte. Inter lag in Trümmern.

Aus der Übermannschaft der letzten Jahre ist im Laufe der letzten 12 Monate eine verängstigte, orientierungslose Solistentruppe geworden. Der Champions-League-Titel im Sommer 2010 war die Krönung und zugleich der Zenit eines erfolgreichen Zyklus, denn mit José Mourinhos Abgang fiel auch die Hierarchie im Team auseinander. Rafa Benitez gelang im Winter noch der Sieg im Weltpokal, ihm folgte an Weihnachten bereits der Brasilianer Leonardo, weil das Team mit dem Spanier nicht zurecht kam. Leonardo führte das Team zwar noch zur Vizemeisterschaft und zum Sieg in der Coppa Italia, doch war das Managergehalt, das ihm Paris Saint-Germain angeboten hatten, zu verlockend.

Es folgten die Vorzeichen für das, was sich nun bei pazza Inter, dem verrückten Verein, abspielt. Die Wunschkandidaten von Präsident Massimo Moratti, André Villas-Boas und Sinisa Mihajlovic, hatten keinerlei Interesse am Trainerposten. Also wurde Ex-Genoa-Coach Gasperini als dritte Wahl verpflichtet. Das Experiment wurde heute nach fünf sieglosen Pflichtspielen offiziell für beendet erklärt. Laut Moratti waren die Unstimmigkeiten zwischen Trainer und Spielern zu groß. Dass jedoch im Verein selbst einige Dinge im Argen liegen, bewies bereits die Verpflichtung Diego Forlans kurz vor Transferschluss. Der Uruguayer war für Atletico Madrid bereits im Europapokal aufgelaufen und demnach bis Januar nicht mehr in der Champions League spielberechtigt. Dies war den Funktionären bei Inter jedoch entgangen. Ein Treppenwitz.

Nun soll Claudio Ranieri die Dinge bei Inter richten. Der waschechte Römer war schon öfter als Feuerwehrmann unterwegs. Leider haftet ihm auch der Ruf des ewigen Zweiten inne. Aber bei Inter haben die Funktionäre sicher ganz genau über ihre Strategien nachgedacht.

19.09.2011

Der 3. Spieltag: De Rossi wird zum Libero 2.0

Mit dem Start des Europapokals unter der Woche geht es in den Topligen erst richtig los. Die Teams, die alle drei Tage auf den Platz gehen, werden sehen, ob ihr Kader in Qualität und Breite ausreicht, die anderen Teams wie Juventus oder Rom müssen dagegen die spielfreie Zeit optimal ausnutzen, um sich voll auf die Meisterschaft zu konzentrieren.

Mit Ruhm haben sich die italienischen Teams in Champions und Europa League wahrlich nicht bekleckert. Der AC Mailand erreichte bei der Jahrhundertmannschaft von Barça zwar ein respektables 2-2, das die Zeitungen feierten, die Art und Weise war aber recht kurios. Bereits nach 24 Sekunden brachte Pato die Führung, doch bis zur Schlussminute war das Spiel ein reiner Monolog der Gastgeber. Der Ausgleich durch Thiago Silva in der 92. Minute rettete den Mailändern einen glücklichen Punkt. Besser präsentierte sich dagegen der SSC Neapel mit dem 1-1 bei Manchester City. Mit gefälligem Konterspiel war das Team von Walter Mazzarri auf Augenhöhe mit der Millionentruppe von Roberto Mancini. Inter Mailand wiederholte die desolate Vorstellung gegen Palermo beim 0-1 gegen Trabzonspor. Die Türken waren nur durch den Ausschluss von Fenerbahce in die europäische Königsklasse gerutscht, ließen sich jedoch nicht von der Kulisse in San Siro beeindrucken.

De Rossi in Bestform bei Inter gegen Rom.
In der Serie A ging es dieses Wochenende weniger spektakulär als letzte Woche weiter. Nachdem Cagliari gegen Aufsteiger Novara 2-1 gewann, fand am Samstagabend das Spitzenspiel zwischen Inter und Rom statt. Im Vorfeld hatten die Medien das Match im Vorfeld zum Entscheidungsspiel für die bisher glücklosen Trainer der beiden Teams aufgebauscht. Das Spiel der nerazzurri lebte einzig und allein von den Ideen Wesley Sneijders, der AS Rom überraschte mit seinem sehr elastischen Spielsystem und einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Auf dem Papier lief das Team mit einem 4-3-3 auf, dass sich bei Ballbesitz direkt zum 3-4-3 mutierte. Die laufstarken Mittelfeldspieler Taddei und Perrotta wurden zu Außenverteidigern umfunktioniert. Ein wieder erstarkter De Rossi übernahm die Schlüsselrolle. Capitan Futuro fungierte als moderner Libero zwischen Abwehr und Mittelfeld, mit 94 Ballkontakten bildete er das Herzstück des römischen Spiels. Dennoch sprangen wieder nur drei Großchancen heraus, die der Brasilianer Julio Cesar parierte. Die größte Chance für Inter hatte Sneijder in der 85. Minute, doch ein überzeugender Simon Kjaer lenkte den Flachschuss aus 10 Metern am Tor vorbei und verhinderte eine unverdiente Niederlage.

Lucios Tritt gegen Stekelenburg.
Maarten Stekelenburg konnte im Tor der Gäste kaum glänzen, weil er bereits nach 15 Minuten von Lucio beim Herauslaufen schwer am Kopf getroffen wurde und nun mehrere Wochen ausfällt. Der frühere Bundesligaspieler hatte es dem Wohlwollen des Schiedsrichters zu Verdanken, dass er nur die gelbe Karte sah. Zwar drehten die Mailänder in der zweiten Halbzeit auf, es blieb jedoch beim 0-0. Die Fans quittierten die Leistung der Gasperini-Schützlinge mit Pfiffen, eine klare Linie hat der Trainer noch lange nicht gefunden, die Römer scheinen dagegen auf einem guten Weg zu sein, am Donnerstag gegen Siena müssen die Stürmer endlich ihre Ladehemmung ablegen.

Für die meisten Akzente im Sturm der Römer sorgte der U21-Stürmer Fabio Borini, der diesen Sommer vom FC Parma kam und die letzten 4 Jahre beim FC Chelsea unter Vertrag stand. Letztes Jahr war er mit seinen Toren ein wichtiger Faktor beim Aufstieg von Swansea in die Premier League.

Neben Cagliari stehen auch Juventus, Udinese und Neapel mit voller Punktzahl an der Tabellenspitze. Die alte Dame aus Turin konnte nicht das furiose 4-1 gegen Parma nicht wiederholen, gegen ein harmloses Siena genügte ein Tor von Matri. Udinese nahm den Schwung aus der Europa League, am Donnerstag wurde Stade Rennes 2-1 geschlagen, und gewann gegen schwache Florentiner mit 2-0. Dabei erzielte  Dauerbrenner Di Natale sein viertes Tor in fünf Spielen.

Aufsteiger Atalanta hatte in der Regenschlacht von Bergamo das glücklichere Ende gegen Interbezwinger Palermo. Das Spiel war sogar 40 Minuten wegen eines heftigen Schauers unterbrochen worden. Auf den Boden der Tatsachen ist auch Lazio zurückgekehrt. Nach dem starken 2-2 beim AC Mailand, ließen Klose und Co. sowohl beim 2-2 gegen die Rumänen des FC Vaslui als auch beim 1-2 gegen den FC Genua die Führung durch die Lappen gehen. Cesena und Bologna sind bisher die einzigen Teams, die bisher keine Punkte einfahren konnten.

Den Spieltag schlossen Neapel und Milan ab. Der amtierende Meister ging früh durch einen herrlichen Flugkopfball von Aquilani in Führung, der Nationalspieler bleib auch der bei weitem beste Akteur seiner Mannschaft. Denn danach ging die große Show von Edinson Cavani los. Der Uruguayer war nicht zu halten und schoss die Gäste mit einem Dreierpack ab. Zwar hatten die ersatzgeschwächten Gäste mehr Spielanteile, doch gegen die blitzschnellen Konter hatten sie kein Gegenmittel. Bereits am Dienstagabend wird wieder gespielt, Inter hofft auf Wiedergutmachung bei Aufsteiger Novara. Am Mittwoch könnte Juve seinen Höhenflug gegen Bologna bestätigen, während der AC Mailand mit Udinese einen gefährlichen Gegner empfängt. Letztes Jahr endete das Duell mit einem spektakulären 4-4. Eine sehr gute Nachricht, die ich auch erst heute gefunden habe, liefert Sport1. Jeden Dienstag um 18 Uhr zeigt der Fernsehsender eine Zusammenfassung der Serie A.

12.09.2011

Arrivederci catenaccio? Torrekord beim Saisonstart

Bereits im Freitagsspiel zwischen Milan und Lazio standen die Zeichen auf Sturm. Dies wurde in den übrigen Partien des ersten, pardon, zweiten Spieltags bestätigt. Mit insgesamt 35 Treffern fielen so viele Tore wie seit 56 Jahren nicht mehr! Das ist mir sogar ein Ausrufezeichen wert.

Von den Titelkandidaten konnten der SSC Neapel und vor allem Juventus Turin überzeugen. Während erstere am Samstag die letzten 30 Minuten in Überzahl zum Auswärtssieg nutzen konnten, feierten die Turiner am Sonntagmittag ein perfektes Debüt im neuen Juventus Stadium. Auf dem Grundstück des unbeliebten Stadio Delle Alpi steht nun eine hochmoderne Fußballarena. Überragender Akteur war Andrea Pirlo, der seine Genialität ganz in den Dienst der Mannschaft stellte.
Torwartikone Gianluigi Buffon war voller Lobeshymnen auf seinen Nationalmannschaftskollegen und bezeichnete seine Verpflichtung auch sofort als Jahrhunderttransfer. Mit einem schönen Volleyschuss von der Strafraumgrenze gab auch der Ex-Leverkusener Arturo Vidal ein starkes Debüt. 

In den darauffolgenden Partien konnten die Aufsteiger Atalanta Bergamo und vor allem Novara auswärts punkten und direkt unter Beweis stellen, dass sie nicht als Kanonenfutter dienen werden. Mit zwei Toren für Atalanta war der gerade 1,60 große Argentinier Maxi Moralez, der von Velez Sarsfield kam, eine der Überraschungen des Spieltages. Einen ähnlich guten Einstand hatte Gabriel Torje für Udinese. Der "Messi Rumäniens" könnte den zu Barça abgewanderten Alexis Sanchez schnell vergessen machen, während der Torschützenkönig der letzten beiden Saisons, Antonio Di Natale dort weiter macht, wo er letzte Saison aufgehört hatte. Bei insgesamt 35 Toren durfte die Partie Catania gegen Siena eine Ausnahme bilden, um ein wenig den Ruf des italienischen Mauerfußballs zu retten.

Tottis Römer warten immer noch auf einen Sieg.
Für die größten Überraschungen - im negativen Sinne - sorgten der AS Rom und Inter Mailand. Die Hauptstädter konnten ihrer Favoritenrolle gegen Cagliari nicht gerecht werden und spielten so, wie man es bereits aus dem kurzen Zwischenspiel im Europapokal kannte. Ständiger Ballbesitz, der einfach nicht in Tore umgemünzt wurde. Cagliari war drei Mal gefährlich vor dem Tor von Stekelenburg: Kurz vor der Pause traf Biondini die Latte, in der 60. Minute nahm Daniele Conti, Sohn der römischen Legende Bruno Conti, eine zu kurze Kopfballabwehr dankend an, in der 94. Minute schloss El Kabir einen Konter erfolgreich ab, kurz darauf blieb De Rossi nach einem abgewehrten Tottifreistoß noch Zeit für den Ehrentreffer. Aus La Magica, wie die Fans den AS nennen, wird allmählich La Tragica. Der tragische Mann auf dem Platz war bis zum 1-0 der Gäste der spanische Linksverteidiger José Angel. Unermüdlich stieß der Ex-Spieler von Gijon nach vorne, bis ihm der Abwehrfehler zu Contis Tor unterlief. Keine 60 Sekunden später flog der Spanier vom Platz. Trotz der vielen Neuzugänge setzt die Mannschaft zwar die neue Spielphilosophie akzeptabel um, der letzte Pass kommt jedoch entweder nicht an oder wird von den Stürmern nicht verwertet. Rom wirkt bisher wie eine aufreizende Frau in der Disko, die einem schöne Augen macht, aber dann eiskalt abblitzen lässt.

Für den großen Abschluss des Spieltags sorgten Palermo und Inter. Nach dem frühen Aus in der Europa-League-Qualifikation hatte der cholerische Palermo-Boss Maurizio Zamparini den neuen Trainer Stefano Pioli direkt geschasst, viele Leistungsträger, vor allem Javier Pastore, haben Sizilien verlassen, alles deutete also auf einen klaren Sieg der Mailänder hin. Von Beginn an überraschten die rosaneri jedoch mit ihren Sturmläufen, bevor Diego Milito mit dem 1-0 doch der Favoritenrolle der Gäste gerecht werden konnte. In der zweiten Halbzeit nahm das Spiel einen spektakulären Verlauf. Nach zwei Minuten konnte Fabrizio Miccoli für den Ausgleich sorgen, kurz darauf traf Milito per Elfmeter zur erneuten Führung für Inter. Miccoli war jedoch am gestrigen Abend nicht aufzuhalten, bereitete fast im Gegenzug den Ausgleich durch Abel Hernandez vor. Minuten vor Schluss dann die Entscheidung, als Miccoli mit einem fantastischen Freistoß Julio Cesar überwinden konnte und Mauricio Pinilla mit einem Kunstschuss alles klar machte. Diego Forlans in der Nachspielzeit war nur noch Ergebniskosmetik. Inters Trainer Gasperini steht jetzt bereits unter großem Druck und muss im nächsten Monat in der Champions League und in der Liga Siege einfahren, um seinen Posten nicht zu verlieren. In Rom werden in dieser Saison des Umbruchs kleinere Brötchen gebacken. Meiner Meinung nach hat Luis Enrique wenigstens Zeit bis Weihnachten...

10.09.2011

Auch Schampus vom Discounter kann schmecken

Am Freitagabend um 20:45 Uhr wurde die Serie A mit einem Spieltag Verspätung endlich eröffnet. Um den Geldkuchen der TV-Sender noch weiter aufzublähen, wird seit der letzten Saison der Spieltag weiter zerhackt, so dass Titelverteidiger Milan, der ja für die Champions League ausgeruht sein muss, gegen Lazio im heimischen Giuseppe-Meazza-Stadion den Startschuss geben durfte. Wie es um die Liga steht, beweist wie so oft die Zuschauerzahl. Gerade mal 48.543 Fans fanden in die "Scala des Fußballs", wobei knapp 30.000 Dauerkartenbesitzer dazu gehörten.

Bei einem Fassungsvermögen von 80.018 Plätzen ist dies für das Saisoneröffnungsspiel gegen eines der Topteams ernüchternd im internationalen Vergleich, dennoch recht positiv für die italienische Liga. Nicht umsonst versuchen Teams wie der AS Rom, die seit einem Jahr geltende und mehr schlecht als recht umgesetzte Pflicht zur tessera del tifoso, der vom Innenminister Maroni konzipierten "Fankarte", mit innovativen Kartenpaketen zu umgehen. Denn ohne die Karte dürfen sowohl Dauerkarten als auch Auswärtstickets über den Verein nicht mehr vergeben werden.

Klose mit einem Traumstart in Italien.
Doch kommen wir zum Spiel selbst, denn was in den ersten 90 Minuten zu sehen war, hat bewiesen, dass die Serie A nicht nur von dröger Taktik lebt. Von Beginn an versuchte Lazio, mit schnellem Flügelspiel das Mittelfeld zu überbrücken und überrumpelte so die statische Milanabwehr. Vor allem kam der von Panathinaikos verpflichtete Djibril Cissé, das einistige Enfant terrible vom FC Liverpool, über die linke Außenbahn zu einigen guten Aktionen. Das Führungstor schoss jedoch ein alter Bekannter aus der Bundesliga: Miroslav Klose erhielt von Lazios Spielantreiber Stefano Mauri den Ball in den Strafraum, düpierte Alessandro Nesta und netzte mit links bereits in der 12. Minute ein. Keine 10 Minuten später war es wieder Mauri, der ähnlich dem 1-0 einen scharfen Ball von rechts in den Strafraum spielte. Die Flanke kam punktgenau zu Cissé, gegen dessen Kopfball hatte Abbiati keine Chance.



Welt verkehrt also nach 21 Minuten, die Sparfüchse aus Rom führten bei der Millionentruppe aus Mailand mit 2-0, doch deren Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. In der 29. Minute griff die Abseitsfalle der Gäste nicht, Cassano kam an den Ball und schob ihn in den 5 Meterraum, wo Ibrahimovic nur noch ins leere Tor einschieben musste. Vier Minuten später stand wieder der italienische Stürmer im Mittelpunkt, als er einen Eckball von Aquilani per Kopf im langen Eck platzieren konnte. So ging es mit 2-2 in die Halbzeit. Nach dem Wiederanpfiff erhöhten die rossoneri die Schlagzahl, ohne jedoch die vielen Chancen in ein Tor ummünzen zu können. Wieder war es Cassano, der am nächsten dran war, als er in der 63. Minute nur den Pfosten traf. Kurz darauf rettete auf der Gegenseite Nesta vor Cissé, der bereits den Torwart überlupft hatte.

Neuanfang für AdrianMutu beim AC Cesena.
Alles in allem ein sehr munterer Beginn, bei dem das Unentschieden in Ordnung geht und auf eine spannende Saison hoffen lässt. Heute Abend empfängt Cesena den SSC Neapel, wobei die kleine Mannschaft aus der Romagna bereits letztes Jahr für die ein oder andere Überraschung sorgen konnte. Das Team konnte sich auch entscheidend verstärken, mit Spielern wie Candreva, Martinez und allen voran Adrian Mutu. Der einstige Topstürmer, der abseits des Platzes mit einer Kokainsperre beim FC Chelsea und einer Prügelei mit einem Kellner in Florenz von sich reden ließ, wagt in der Provinz einen Neuanfang. Gegen den potentiellen Titelkandidaten aus Neapel wird all sein Talent vonnöten sein.