13.09.2017

AS ROMA-Atletico Madrid 0-0 (Herr der Berichte Edition)


Di Francesco und seine Schützlinge haben sich in die Tiefen Morias gewagt - und kamen zumindest unbeschadet wieder an die Oberfläche. Waren in der ersten Hälfte noch einige Lichtblicke zu sehen, ging es in der zweiten nur noch darum, durchzuhalten – was mit Ach und Krach, einem überragenden Torwart und der Umstellung auf eine Dreierkette gelang. Die Mannschaft hat noch einen langen Weg vor sich, aber auch durch solche Feuerproben kann sie weiter reifen.

Nicht vergessen: Atletico war zweimal in CL-Finale in den letzten 4 Jahren und rangiert auf Rang 2 im Uefa-Ranking, die Roma ist auf dem 27. Platz. Andererseits werden schon die ersten unzufriedenen Stimmen laut: Präsident Pallotta meckert, Dzeko vermisst Unterstützung. Kann ich verstehen, aber dann sollte man sich vielleicht erstmal an die eigene Nase fassen. 

Alisson – Gandalfisson - https://www.youtube.com/watch?v=u0TUsgFpCDg Gewinner in allen Kategorien der Golden Glove Awards.

Bruno Peres - Jar Jar Binks - Irgendwie wirkt das bei ihm immer deplatziert, auch wenn seine Absichten immer gut sind. Wie die meistgehasste Figur aus den Star-Wars-Filmen in einer Herr-der-Ringe-Hommage. Und selbst die hat wie Peres ab und zu etwas Nützliches beigetragen.

Manolas - Manolegolas - Was für ein prächtiger Elf: Elegant, sauber, über alle Angriffe erhaben. Aber wehe, es wird mal ruhiger. Dann kann ihm seine Überheblichkeit den Kopf kosten. Aber heute ging alles gut.

Juan Jesus - Gilmi - Was unter Fans mit Skepsis gesehen wurde, klappt doch immer besser: Eine Partnerschaft zwischen Juan Guilherme "Gilmi" Nunes Jesus und Kostas in der Mitte. Weniger spektakulär als der Grieche, bei jeder Ballannahme recht unberechenbar, aber das passt in einen spannenden Plot.

Kolarov - Serbischer Baumbart - Der lebendige Baum ist so emotionslos wie eh und je, aber traut sich seltener aus dem Wald, als man es gewohnt ist. Wenn doch, wird auch selten etwas draus. 

Nainggolan - Nainggollum - "Wo ist mein Schatz?" fragt sich der Mittelfeldstar über lange Strecken der Partie. Gefühlt selten am Ball, ungefühlt selten spielbestimmend. Kein Freudentanz beim Verlassen des Felds, aber auch kein Sturz in die Lava. 

De Rossi - Der Waldläufer - Von Wind und Wetter gegerbt, stellt sich der Anführer der Truppe den gegnerischen Gefahren. Er lenkt seine Mitstreiter lange und sicher, gegen Ende schwinden aber bei ihm auch die Kräfte, doch seine Fehler im Passspiel werden zum Glück nicht ausgenutzt.

Strootman - Sam, der Beherzte - Die wertvolle Stütze, auf die sich der Rest der Truppe verlassen kann. Spielt und spielt, rennt und rennt, und ist verfrüht am Ende seiner Kräfte. Egal, die anderen brauchen ihn bis zum Schluss. 

Perotti - Der Ringträger - Schwupps, unsichtbar! Ein ums andere Mal lässt der Argentinier den Ball vor den Augen der Atletico-Abwehr verschwinden und nutzt seine Spritzigkeit auf der Außenbahn. Einer der Aktivposten.

Dzeko - Der Floppit - Seine Geschichte steht in einem anderen Buch. Wenig involviert, wenig unterstützt, wenig präsent. So oder so, einfach zu wenig.  

Defrel - Greg-eomer - Wie ein schneller Rohirrim galoppiert Gregoire über das Grün des Olimpico. Dabei hilft er mal etwas hinten und taucht sogar im Strafraum auf - ähnlich überraschend wie die Reiter von Rohan bei Helms Klamm. Während die aber die Schlacht drehen konnten, bleibt der Franzose blass. 

Fazio - Der Weiße Turm - Steht am Ende der Schlacht felsenfest inmitten der Festung.

Pellegrini - Lorenzo Pippini - Darf Champions-League-Luft schnuppern, ihm wird davon nicht schwindlig.

El Sharaawy - El Merrawy - Cameo-Auftritt.






05.05.2013

Der Monat der Entscheidungen - Like a boss

Es ist Mai. Neues hat er aber in der Serie A nicht gebracht: Der Meister vom Vorjahr könnte heute mit einem Unentschieden gegen Abstiegskandidat Palermo die Titelverteidigung unter Dach und Fach bringen. Juventus ist in Europa noch nicht auf einer Stufe mit den Top-Teams, sind in Italien jedoch kaum zu schlagen. Bianconeri like a boss.

Noch spannender als in der Liga wird es am 26. Mai: Dann stehen sich der AS Rom und Lazio zum ersten Mal im Finale der Coppa Italia gegenüber. Nach den Ausschreitungen vor dem Meisterschaftsspiel im April (1-1) hoffen echte Fans, Funktionäre und die Stadtverwaltung auf ein friedliches Fußballfest. Ein aktueller Spot von Nike mit Francesco Totti und einem AS-Fan sorgt bereits jetzt für Gänsehaut. Derby like a boss.

Kommen wir wieder zur Meisterschaft: Kurze Zeit schien es so, als könnte der SSC Neapel Juventus die Stirn bieten, doch Weltklassestürmer Edinson Cavani allein reicht nicht aus. Der Uruguayer wird kaum zu halten sein, die Millionen aus England und Spanien locken. Aus der Situation tritt der Trainer gefestigt dar: Vereinsboss De Laurentiis hat einen neuen, hoch dotierten Vertrag und teure Transfers versprochen, um nicht auch noch den Architekten des Erfolgs zu verlieren. Walter Mazzarri like a boss.

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die Neapolitaner nicht Vizemeister werden. Bezeichnenderweise ist il diavolo auf Platz drei: Der AC Mailand liegt jedoch ganze 7 Punkte zurück. Der Coach Massimiliano Allegri konnte die Mannschaft nach der miserablen Hinrunde wieder nach oben führen, aber die Unstimmigkeiten mit Berlusconi lassen seinen Abschied vermuten. Neben dem AS Rom sind Paris Saint-Germain und sogar die Stadtrivalen von Inter im Gespräch. Gerüchte like a boss.

Bei den nerazzurri geht es zurzeit drunter und drüber: Mit Platz sieben ist selbst die Europa League in Gefahr, fast die Hälfte des Kaders fehlt verletzungsbedingt. Erst letzte Woche erlitt Kapitän Javier Zanetti einen Achillessehnenriss. Der 39-jährige Argentinier muss sogar um seine Karriere bangen. Sogar Zanettis Landsmann Ruben Botta, der erst im Sommer zu Inter wechselt, fällt nun sechs Monate aus. Verletzungspech like a boss.

Den ansehnlichsten Fußball in diesem Jahr hat wohl die Fiorentina gezeigt. Ballbesitz und schnelle Kombinationen sind das Markenzeichen des Tabellenvierten. Jungtrainer Montella hat in weniger als zwölf Monaten Großes geleistet. Jedoch hat er einfach kein Glück, wenn er auf seinen Ex-Klub trifft.

Gestern Abend war der AS Rom zu Gast. Nach zwei Pfostentreffern und einem nicht gegebenen Handelfmeter wäre die Viola der verdientere Sieger gewesen. Doch in der ersten Minute der Nachspielzeit erhielt Rom den ersten Eckball der zweiten Hälfte: Das Enfant Terrible köpfte das einzige Tor des Spiels. Osvaldo like a boss.

P.S.: Was "Like a boss" bedeutet? Das folgende Video sollte es zu Genüge erklären.

28.03.2013

Der ewige Fußballer

Am 28. März 1993 nahm Deine Geschichte in Brescia ihren Lauf. Ohne Spektakel, ohne Aufsehen betratst Du die große Fußballbühne und doch fülltest Du schon die Herzen mit Neugier und Hoffnung.

Herzen wie das eines wenige Jahre jüngeren Kindes in Deutschland, dessen Wurzeln in der Ewigen Stadt liegen. Aus Traum wurde in Rom Tradition. In den Achtzigern und Neunzigern waren unsere Kapitäne Agostino Di Bartolomei oder Giuseppe Giannini. Söhne der Stadt, genau wie Du. Du hast aus Tradition eine Legende werden lassen.

Murales im römischen Viertel Monti - wikimedia.org

Viele kleine Jungen, die einem Fußball hinterherrennen, träumen davon, für ihren Verein zu spielen. Sei es auch nur eine Minute. Du stehst seit 20 Jahren für unsere Roma auf dem Platz. Pardon. Du rennst für Sie, Du zauberst für uns.

Deine fußballerische Größe ist messbar. Du hast Titel gesammelt, hast einen Rekord nach dem anderen eingestellt und bist mit 36 Jahren immer noch nicht fertig.

Deine menschliche Größe zeigt sich trotz oder gerade wegen Deiner Fehlbarkeit. Du hast auf Geld und Pokale verzichtet und bist in Rom geblieben. Du hast Dich zu Dummheiten hinreißen lassen und hast Dich entschuldigt. Du hast gravierende Verletzungen erlitten und bist wieder aufgestanden.

Doch vor allem hast Du Jungen wie mir gezeigt, dass man für immer ein kleiner Junge bleiben kann.

Du bist ewig. Wie Deine, wie unsere Stadt.

Francesco, bitte höre niemals auf.

11.01.2013

AS Rom in der FAZ: Mickey Mouse goes calcio

Die jüngsten Ergebnisse des AS Rom sorgten bei den Fans für emotionale Achterbahnfahrten. Vor Weihnachten glänzte das Team noch mit einem 4-2 gegen den AC Mailand, letztes Wochenende zeigte die Abwehr wieder all ihre Schwächen beim 1-4 in Neapel.

Für ein Lächeln sorgt derweil die komplette Umstruktierung des Vereins. So wird das Fundament für eine sichere Zukunft gelegt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beleuchtet diese Revolution in einem umfassenden Artikel.

01.12.2012

Eindrucksvoller Reisebericht durch die Fankurven Italiens

Auf ZDF info lief ein sehr eindringlicher Film über die aktuelle Lage der Fankultur im italienischen Fußball.

Der Italien-Experte Kai Tippmann wirkt im Film mit. Sein Blog www.altravita.com sei jedem ans Herz gelegt.

Vielen Dank an einen Freund, der mich auf den Bericht aufmerksam gemacht hat:
 
Verrückt nach Fußball - Eine Reise durch die Fankurven Italiens


Eine Fußball-Nation voller Widersprüche: Obwohl Italien als eines der Fußball verrücktesten Länder der Welt gilt, sind die Stadien leer und auch noch marode. Drei Fußball begeisterte deutsche Fans begeben sich auf eine Reise durch die Fankurven Italiens, “dem schönsten Teil des Spektakels Fußball.” Ihr Lohn: einen bleibenden Eindruck von den sprichwörtlichen “Italienischen Verhältnissen”.

10.11.2012

You can take the boy out of Rome, but you can't take Rome out of the boy

11. April 1999 - www.asromaultras.org
T minus 1 Tag zum Derby della Capitale. Morgen wird Zdenek Zeman nach 13 Jahren wieder auf der Trainerbank des AS Rom sein. Beim letzten Mal, am 11. April 1999, war ich selbst dabei. Viel zu lange war ich nicht dabei, das Herz blutet schon einige Jahre, weil ich zu lange nicht dabei war. Nichts kann mich derart mitreißen, nie liegen Glück und Leid so nah beieinander, niemand kann so viele Emotionen bei mir auslösen. Ich saß damals in der Tribuna Montemario und genoß den perfekter Blick auf das Spielfeld und auf die feurige Curva Sud. Rom gewann 3-1. Nesta, Vieri und Nedved hatten keine Chance gegen den Doppeltorschützen Marco Delvecchio. Den Schlusspunkt setzte Francesco Totti - damals wie heute Roma-Kapitän.

Trotz seiner 36 Jahre ist die Leitfigur immer noch unverzichtbarer Leistungsträger seines Teams. Mit seinen vier Toren in der laufenden Saison ist Totti in der Ewigen Torjägerliste nur noch 6 Treffer von Gunnar Nordahl (225 Tore) auf Platz 2 entfernt. Das Derby ist für Totti Fluch und Segen zugleich. Kein Spieler hat so viele Stadtduelle wie er bestritten (35) und gewonnen (12), aber auch verloren (13). Vom Torrekord von Dino da Costa (11) trennen ihn auch nur noch drei Treffer.

Osvaldo ist heiß auf Lazio - www.asromaultras.org
Der anfängliche Enthusiasmus beim AS Rom ist verflogen, das Derby wird zum wichtigen Prüfstein für Zdenek Zeman und seine Mannschaft. Mit 17 Punkten aus 11 Spielen (inklusive 3-0 gegen Cagliari am grünen Tisch) liegt Rom auf Platz 6 und damit 11 Punkte hinter Klassenprimus Juventus. Dank Osvaldo, Lamela und Totti hat Rom den besten Sturm der Liga - leider auch die zweitschlechteste Abwehr. Durch eklatante Abwehrfehler verspielte das Team bereits mehrmals sicher geglaubte Siege. Das 4-1 gegen Palermo amletzten Wochenende gibt dennoch Grund zur Hoffnung: Erstmals setzte das Team über weite Strecken die Ideen seines Trainers um und beherrschte das Spielgeschehen.

Nach zuletzt schwachen Auftritten liegt Lazio Rom liegt nur zwei Punkte vor dem AS Rom. Dabei wurde wieder deutlich, wie sehr die biancocelesti von Miroslav Klose abhängen. Das Spiel bietet schon durch die Tabellensituation genügend Brisanz. Doch am 11. November jährt sich auch der fünfte Todestag von Gabriele Sandri. Der AS Rom hatte angeboten, eine gemeinsame Pressekonferenz zu veranstalten, um ein Zeichen zu setzen - die Verantwortlichen bei Lazio Rom lehnten ab. Chance vertan.

30.09.2012

Buio pesto

Pesto? Das kennt man doch in Deutschland. Jedoch hat buio pesto wenig mit der ligurischen Küche zu tun. Es bedeutet schlicht und ergreifend stockfinster. So düster steht es um den AS Rom nach dem gestrigen Spiel beim Erzrivalen Juventus. Der Auftritt der giallorossi hatte nichts vom Geschmack der würzigen Nudelsauce - mit Ausnahme das Zerstampfte, was pesto im Grunde auch bedeutet.

Leerer Blick: Auch Totti konnte nichts richten - www.goal.com
Nach gerade mal 18 Minuten führten die Hausherren bereits mit 3-0. Unzählige Male wurde die dilettantisch agierende Abseitsfalle der Römer ausgehebelt. Die Partie wurde zum Spaziergang für den amtierenden Meister, der vor dem Halbzeitpfiff noch zwei Mal die Latte traf. Rom schaute fast nur zu. In der zweiten Hälfte traten die Gastgeber vom Gas, Rom konnte per Elfmeter den Ehrentreffer erzielen, bevor Giovinco in der Schlussminute den Torwart umkurvte und mit dem 4-1 den Schlusspunkte setzte.

Heim-Weh

Der Enthusiasmus um Zemans Rückkehr auf die römische Trainerbank ist so gut wie verpufft. Auch wenn Rom zum Teil sehr gut vor eigenem Publikum agierte, wurde noch keine Partie im Stadio Olimpico gewonnen. Gegen Bologna (2-3) und Sampdoria Genua (1-1) brach die Mannschaft in der zweiten Hälfte ein, gegen Juve war die Mannschaft von Beginn an nicht auf dem Platz.
 
Ein Glück, dass das letzte Woche abgesagte Spiel in Cagliari für Rom gewertet wurde. Die Partie in der Is Arenas hätte ohne Publikum stattfinden sollen, weil das neue Stadion, das wie ein übergroßer Einkaufswagen aussieht, noch nicht für Zuschauer freigegeben war. Trotzdem forderte am Vorabend der pittoreske Klubchef Cellino die sardischen Fans via Vereinshomepage auf, zum Spiel zu gehen. Der Präfekt musste darum das Spiel aus Sicherheitsgründen absagen. Solch einen Unsinn erlebt man nur in Italien. Cellino reagierte enttäuscht: "Ich habe nur Dauerkartenbesitzer einladen wollen, fasst alles Frauen und Kinder." Dass das Stadion eine halbe Baustelle ist und somit eine Gefahrenquelle darstellt, ist dann natürlich egal.