11.12.2017

Chievo Verona – AS ROMA 0–0

Das Spiel:
Wie bereits in einigen Spielen zuvor bestimmt die Roma das Spiel, nutzt dieses Mal aber keine einzige ihrer sehr guten Chancen. Das liegt zum einen an einem überragenden Sorrentino. Zum anderen an der verschenkten ersten Hälfte und an einer eindimensionalen Herangehensweise. Der Ball in die Tiefe, Kombinationen am Strafraum? Mangelware. Doch sind es genau diese Aktionen, die Überzahl schaffen und für die meiste Gefahr sorgen. Vorne fehlte das Glück, hinten darf sich jedoch niemand beklagen: Nicht selten lud man die Gastgeber selbst zu Angriffen ein.



Die Spieler:

Alisson. Sonntagsausflug. Muss sich kaum beweisen, ist aber zur Stelle, wenn man ihn braucht.

Peres. Teilzeitbrasilianer. In der ersten Halbzeit verlängert er unglücklich auf Inglese, der nur die Latte trifft, und bleibt sonst eher versteckt. Nach der Pause wacht er auf, bleibt recht harmlos – symptomatisch der vollkommen missglückte Linksschuss vor dem Schlusspfiff.

Fazio. Professor Doktor viel. Doziert mit Weitblick aus der Abwehr heraus, Fachgebiet Abseitsfalle. Kann gut mit Fremdsprachen, beweist es mit Inglese. Ein Harakiri-Pass trübt das Gesamtbild, ein bisschen Zerstreuung ohne Folgen.

Juan Jesus. Weihnachtsjuan. Verteilt zu Beginn Geschenke an die Chievostürmer, in der zweiten an Sorrentino freistehend beim Eckball.

Kolarov. Silver Surfer. Reitet souverän die Welle in Verona und stößt immer wieder vor. Scharfe Schüsse und Flanken, die leider haarscharf vorbei gehen.

Nainggolan. Fließbandarbeiter. Überall auf dem Platz zu finden. Will dem Team auf Teufel komm raus weiterhelfen, was auch einige übereilte Aktionen nach sich zieht. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

Gonalons. Mad Max. In den ersten 45 Minuten ist er Chievos 12. Mann, so unterirdisch ist seine Leistung. Nach der Pause kriegt er den Motor langsam zum Laufen, auch wenn der bis zum Schluss heftig stottert. 

Strootman. Mustang. Ein wilder Ritt von Anfang an, in dem er selbst den Schiedsrichter nicht scheut. Leider sind auch seine Bälle recht wild gespielt und selten für die Mitstreiter unter Kontrolle zu bringen.

Gerson. Puderzucker. Seine feine Ballbehandlung zeigt sich gegen Chievo als brotlose Kunst. Vor allem bei der vergebenen Großchance in der ersten Hälfte sehen wir, dass es da ein richtiges Pfund gebraucht hätte.

Schick. Patrick Skizz. Bei seinem Debüt von Beginn an will er zeigen, was er drauf hat – und tut dies in Ansätzen. Kommt nur zu zwei Torschüssen, die sind jedoch brandgefährlich. Leider spielt Sorrentino den perfekten Feuerwehrmann. Mehr Idee als Konkretes.

El Sharaawy. Mitläufer. Wenn etwas bei der Roma passiert, ist das meist über links dank Kolarov. Stephan profitiert davon, aber müsste aus seinen Fähigkeiten viel mehr machen. 

Dzeko. Kaltstart. Darf nach Verschleißerscheinungen erst mal in der Garage bleiben. Kommt entsprechend nicht in Gang, als er nach 64 Minuten gebraucht wird.

Perotti. Diego Cerotti. Leicht angeschlagen, bringt er nicht den erwünschten Schwung.

Ünder. Leiser Schlussakkord. Fällt nicht mehr ins Gewicht.

08.12.2017

AS ROMA – Qarabag 1–0

Das Spiel:
Auch beim letzten Roma-Spiel der Gruppenphase regiert "Geiz ist geil": Ein Tor reicht, um die Gäste aus Aserbaidschan zu bezwingen. Gerne hätte man den Sack früher zumachen können, trotz einer offensiven Ausrichtung dauert es rund eine Stunde, bis die giallorossi endlich durch eine schnelle Kombination Die Abwehr aushebeln. "Sooo muss Technik" scheint sich dabei Perotti zu sagen, der die Aktion nicht nur einleitet, sondern auch vollendet. Unter dem Strich bleibt eine ordentliche, aber bisweilen nicht zwingende Darbietung, die dennoch das beste Vereinsergebnis in der Gruppenphase nach sich zieht – vor Chelsea, vor Atletico Madrid. Hauptsache, wir haben Spaß. Danke, DiFra.

Die Spieler:

Alisson. Virenschutz. Einige simple Paraden, ein Dribbling und sonst Ruhepol oder Einpeitscher seiner Mitspieler. Sein Kniefall mit den Händen zum Himmel wird immer mehr zum Markenzeichen dieser eingeschworenen Truppe.

Florenzi. WLAN-Verstärker. Etwas zaghafter Beginn, drückt gerade nach Schicks Einwechslung mehr und mehr aufs Pedal. In der Defensive kleine Schwächen beim Verhindern von Flanken.

Fazio. Olle Friteuse. "Rein, raus, fertig" wird beim Abwehrboss zu "Wie, was, fettig". Leicht unkonzentriert, verschätzt sich kurz vor Schluss bei einer Flanke, zu seinem Glück ohne Folgen. Macht den Fehler dann wieder Fett, ups, wett.

Manolas. Robostaubsauger. Macht hinten sauber, ohne Glanz beim Spielaufbau.

Kolarov. Schlagbohrer. Begleitet mit Druck die Offensivaktionen, haut hinten weg, was sein muss. Mehr Präzision bei den Standards wäre schön.

Nainggolan. Rasenmäher. Reng, deng, deng! Kommt eher langsam ins Spiel, schafft dann aber klare Verhältnisse im Mittelfeld. Von seinem Lupfer mit Volleyschuss ins untere Eck zittert das Gras im Olimpico immer noch.

De Rossi. Heizlüfter. Hitzig wird es bei Danieles Rückkehr ins Team nicht, aber richtig erwärmen kann man sich mit der Leistung in der Ballverteilung auch nicht. Macht zumindest einiges an Kleinholz.

Strootman. 3D-Drucker. In guter Form zuletzt und für jede Aufgabe eine passende Lösung – nicht nur im Zweikampf, sondern auch in der Vorwärtsbewegung. Hat großen Anteil am Tor als schnell schaltende Anspielstation.

El Sharaawy. Drohne. Hat einen großen Flugradius - hinten und vorne ständig zu finden. Ein paar schöne Manöver, aber richtig gefährlich wird er nicht.

Dzeko. Krawallklobürste. Nervös und überspielt. Ist zwar beim Tor des Tages involviert, ein Dzeko in Normaform sollte den aber selber machen können. Lässt seinen Frust entsprechend in Rangeleien beim Eckball aus.

Perotti. NextGen-Konsole. Der Millionenmann garantierte den giallorossi im Mai den zweiten Platz, legt er noch einen drauf und schießt die Roma auf den ersten Platz. Spielstark, dynamisch, richtungsweisend.

Gerson. Transformers-Figur. Unglaublich, wie abgeklärt der Brasilianer wirkt. Vor allem im Vergleich zum Vorjahr.

Pellegrini. Smartwatch. Bisher nur nettes Zubehör in Europa: Kam zwar in jedem CL-Spiel zum Einsatz, sammelte dabei gerade mal 183 Minuten. Seine Zeit kommt noch. 

02.12.2017

AS ROMA – SPAL 3–1

Die Zusammenfassung:
Nach wenigen Minuten profitierten die giallorossi zum ersten Mal vom Videobeweis: Die rote Karte ebnete den Weg zu einem einfachen Sieg. Nach dem zweiten Treffer schaltete Rom bereits einem Gang zurück, ohne auf die Offensive zu verzichten, Tor Nummer drei nahm dem Spiel die letzte Spannung. Wenn man an der insgesamt ordentlichen Leistung Kritikpunkte finden will, sind es die mangelnde Chancenauswertung und der wieder mal unnötige Elfmeter.


Die Einzelkritiken:

Alisson. Deja-vu. Der Brasilianer tanzt vor lauter Langeweile sogar die Gegner aus, bis er wirklich gefordert ist. Und wie konnte es anders sein, im dritten Ligaspiel in Folge muss er sich einem Strafstoß beweisen. Der erste Schuss geht rein, muss aber wiederholt werden, beim zweiten klatscht er den kläglichen cucchiaio von Viviani an den Posten, muss sich aber dem Nachschuss des Ex-Römers geschlagen geben.

Florenzi. Quantilität. Wider Erwarten wird der Vizekapitän nicht für die Champions League geschont und zeigt auch warum: Ohne Unterlass begleitet er die Offensivaktionen auf rechts und bringt ein ums andere Mal ordentliche Flanken in den Strafraum. Nicht nur Masse, sondern Klasse, als er vor dem Schlusspfiff den Gegner an der Eckfahne doppelt vernascht.

Manolas. Böser Bulle. Wird von den dezimierten Gegnern kaum gefordert und sorgt mühelos für Recht und Ordnung in der Defensive. Macht den guten Job kurz nach dem 3-0 mit einer unnötigen Attacke an Mora im Strafraum zunichte.

Juan Jesus. Guter Bulle. Hat auch nix zu tun, lässt es im Gegensatz zu Kostas aber mit unnötigen Fehlern.

Kolarov. Musterschüler. Ob Starensemble oder graue Maus, Aleksandar spult gegen jeden Gegner das selbe hochklassige Programm ab und sammelt weiter fleißig Scorerpunkte, diesmal mit der Flanke zum 3–0.

Pellegrini. Houdini. Endlich hat er den Knoten zum Platzen gebracht und sein erstes Tor im Roma-Trikot erzielt. Schon davor mehr im Spiel als zuletzt und immer wieder gefährlich, auch aus der Distanz. Zeigt sein Ballgefühl auch bei einem Freistoß, den Gomis mit Not an die Latte lenkt.
Gonalons. Soufflé. Der erfahrene Stratege aus Lyon kam als Leckerbissen für die Bank, präsentiert sich auch gegen SPAL als zusammengefallener Auflauf. Träge im Passspiel, grobmotorisch im Zweikampf, zurecht nach einer Stunde ausgewechselt. Gegen stärkere Gegner könnte der Ofen lichterloh brennen.

Strootman. Schnellwaschgang. Als Mittelfeldantreiber springt er in die Bresche, wo Gonalons zu kurz kommt, und vernachlässigt auch die Offensive nicht. Ein Auftritt, der sich gewaschen hat, mit einem trockenen Tor unter die Latte belohnt.

Ünder. Abundzubi. Die guten Ansätze blitzen immer wieder auf, doch Konkretes kam auch gegen die Ferraresen nicht heraus. Ein Lehrling mit Luft nach oben. 

Dzeko. Baller-Mann. War der echte Dzeko die letzten Woche auf Mallorca und sein böser Zwilling auf dem Platz? Ach was, Dzeko ist einfach etwas müde, trotzdem reicht es zum Hallo-Wach-Moment nach fast 20 Minuten. Der Bosnier nutzt jedoch die großen Chancen, die sich ihm bieten nicht zu genüge: 11 Schüsse, 5 davon aufs Tor. Da hätte mehr passieren können. Gegen Ende wirkt er auch lustlos.

El Sharaawy. Verfrühter Nikolaus. Gegen SPAL verteilt Stephan in der ersten Hälfte haufenweise Süßigkeiten für die Zuschauer und vor allem für die Mitspieler. Nach der Pause taucht er etwas unter.

Gerson. Ausputzer. Erlöst Gonalons von einem peinlichen Auftritt und darf sich im Mittelfeld austoben. Tragikomisch, als er vor dem leeren Tor den Ball in den Himmel schießt.

Schick. Der Gummimensch. Darf rund 30 Minuten seine Gelenkigkeit zur Schau stellen, verursacht bei der gegnerischen Abwehr einige Schwindelanfälle, macht Lust auf mehr.

Emerson. Verlorener Sohn. Die schönste Überraschung der letzten Saison ist zurück auf dem Feld – Kolarov darf endlich eine wohlverdiente Pause einlegen.

27.11.2017

FC Genoa – AS ROMA 1–1

Die Zusammenfassung:
Kurzum: Bei einem harmlosen Gegner hat die Roma zwei Punkte verloren. Die Gastgeber hatten leichtes Spiel mit der trägen Ballzirkulation der giallorossi, vor allem in den ersten 45 Minuten. Die fünf häufigsten Passwege im Spiel betreffen ausschließlich unsere Abwehrspieler, z. B. Fazio auf Florenzi 35 Mal! Nach der Pause wurde es wenig besser, doch Di Francesco schien ein glückliches Händchen zu haben, als El Sharaawy nach seinem Wechsel auf links zustach. Es wäre wohl weiter nichts passiert, hätte De Rossi die Sache mit dem Händchen unglücklich interpretiert. Wenn man etwas Positives aus dem Spiel mitnehmen will, sind das die offensiven Schlussminuten in Unterzahl und der lebhafte Kurzauftritt von Schick.


Die Einzelkritiken:

Alisson. Intuition ohne Lohn. Muss nur ein paar zentrale Schüsse abwehren, bis er im Elfmeterduell mit Lapadula den Kürzeren zieht.

Florenzi. Käpt'n Karma. Ale muss häufig als verkappter Spielmacher die Angriffe initiieren, mit wechselhaftem Erfolg. Seine Flanke zum 1–0 weckt Hoffnung auf ein gutes Ende, bis De Rossis Aussetzer ihn zum Spielführer und Friedensstifter wider Willen macht. Danach defensiv leicht unter Druck, bevor die Roma zur Schlussoffensive bläst.

Fazio. Wüterich. Zum Frühstück hatte unsere Nummer 20 wohl Chili en masse. Strittige Situationen in Genua sehen ihn oft im Mittelpunkt, dabei hätte er sich einfach auf seinen Job konzentrieren können.

Juan Jesus. Formula Juan. Schnell ist er, das hat er gegen Taarabt eindrucksvoll bewiesen. Leider überhitzt sein Motor noch zu oft, ob beim Spielaufbau oder mit einem unschönen Foul an Lapadula, das auch mit Rot hätte geahndet werden können.

Kolarov. Stoiker. Unbeirrbar marschiert er auch im alten Marassi über links Richtung Tor, in Perotti findet er nicht die gewohnte Unterstützung. Vor allem bei Standards eine konstante Gefahr, legt er gegen Ende Strootman fast zum 2–1 auf.

Nainggolan. Limo ohne Zisch. Die letzten Spiele haben den Ninja regelrecht ausgepresst, gegen Genau mangelt es ihm an Spritzigkeit und Präzision, dennoch ist er mit seiner vorgezogenen Position gerade nach dem 1-1 einer der Antrieber.

De Rossi. Die rechte Hand des Teufels. Daniele aka "Terence Spencer" De Rossi war wohl vom Affen gebissen: Der blauäugige Bartträger langt nicht zum ersten Mal in seiner Karriere zu und ist mit der Sperre und dem Punktverlust gestraft genug. Warum einer der fairsten italienischen Spieler außerhalb des Platzes seine Nerven trotz Führung nicht im Griff hat, kann sich nur mit seinem Adrenalinüberschuss erklären, sagt er doch nach dem Spiel, Lapadula ließ sich fallen, was Parolo im Derby beispielsweise nicht tat. Hoffen wir, dass Di Francesco ihm wie versprochen den Hintern versohlt und dann ist gut.

Strootman. Anzug von der Stange. Sein bester Moment ist der Alutreffer kurz vor Schluss, der auch sein ganzes Spiel auf den Punkt bringt: Lange sucht er die richtige Position, rochiert hier und da, aber so richtig passen will es nicht.

Perotti. SD statt Full HD. Auf der Heatmap hat sich das Bild eines Perotti an der Seitenlinie eingebrannt, der zwar viele Kontakte hat, aber meist den Ball nach hinten zurückspielen muss. Für Statistiker: Kein Torschuss, 5 von 12 Zweikämpfe gewonnen, 2 Flanken ohne Abnehmer.

Dzeko. Redux Version. Bei Dzeko scheint ein wenig die Luft raus zu sein, und selbst die besten Filme haben mal eine Pause, damit sich noch mal Spannung aufbauen kann. Strahlt wenig Gefahr aus und hat gegen seine Gegenspieler häufig das Nachsehen. 

El Sharaawy. Quickie. Sein Tor ist ein kurzer Spaß an einem auch für ihn wenig erfolgreichen Nachmittag, hätte ohne die Unterzahl mehr Räume für seinen schnellen Antritt gehabt, wird durch die Rote Karte von DDR zwangsläufig für Gonalons geopfert.

Defrel. Iturbisiert. Seine Einwechslung scheint ein echter Glücksgriff: El Sharaawy rückt dadurch nach links, und Florenzi erhält den Raum zur ungestörten Flanke. Wirft sich gegen Schluss verzweifelt nach vorne, bleibt weiterhin undurchschaubar.

Gonalons. Krummer Notnagel. Kommt relativ spät, um das dezimierte Mittelfeld zu ordnen, was ihm auch nicht wirklich gelingt.

Schick. Lichtblick. Nach Wochen ist der millionenschwere Einkauf wieder auf dem Platz und sorgt in wenigen Minuten für mächtig Wirbel, das Jokerglück aus Sampzeiten ist aber noch in der Reha.

23.11.2017

Atletico Madrid – AS ROMA 2–0

Die Zusammenfassung:

Trotz vier Wechseln im Vergleich zum Derby hatte die Roma das Heft zu Beginn in der Hand – oder bekam es vielmehr von Atletico aufgezwungen. Gleich mehrere Ballverluste der Gastgeber wussten Perotti und Co. nicht auszunutzen. So konnten die rojiblancos immer mehr ins Spiel finden, während die giallorossi vor allem nach der Pause sich weiter zurückzogen. Die Niederlage war die natürliche Folge: Nun heißt es im letzten Gruppenspiel die Nerven behalten und das eigene Spiel durchziehen, an diesem 0 zu 2 kann die Mannschaft nur weiterwachsen. PS: Das dunkle Camouflage-Trikot ist Geschmackssache, warum muss unser Vereinsname auf den Spielerhintern prangen?

Die Einzelkritiken:

Alisson. Aus der Zauber. Der Brasilianer wirkte weniger souverän als gewöhnlich, und die Wunder hat er im Hinspiel aufgebraucht.

Bruno Peres. Bruno, der Gummibär. Das Derby-Adrenalin ist schon verflogen. Mehr auf Vorsicht bedacht, offensiv nur bei einem Distanzschuss aufgefallen. Zerstört mit seinem Platzverweis die letzte Hoffnung auf einen Punktgewinn.

Manolas. Kostas mit den Scherenfüßen. Kassiert relativ früh Gelb mit einer überhasteten Grätsche, wirft sich danach aber mächtig ins Zeug – und gefährliche Schüsse. Beim Griezmann-Tor geht auch ihm alles zu schnell.

Fazio. Stamm-Kraft. Unerschrocken und unüberwindbar, steht Fede wie ein Baum im Strafraum und verhindert auch in Unterzahl Schlimmeres.

Kolarov. Kalibrierfehler. Auch weil die linke Kette in der ersten Halbzeit gut funktioniert, kann er häufig bis zur Grundlinie vorstoßen, nur nutzt niemand seine Hereingaben, die etwas Präzision vermissen lassen.

Pellegrini. Seifenopa. Über weite Strecken läuft das Spiel an Lorenzo vorbei, gerade zu Beginn ignoriert er wie ein störrischer Greis die Freiräume, die die colchoneros der Roma bieten. Auch sonst fehlt ihm die Bodenhaftung, auch weil die Madrider ihn wie eine fast leere Duschgelpackung behandeln.

Gonalons. Verkochte Pasta ohne Soße. Macht irgendwie was er soll, seinem faden Spiel fehlt es an Würze, zudem auch ein paar leichte Unsicherheiten.

Nainggolan. Asiatische Tigermücke. Beißt sich in den Gegnern fest, schwirrt ihnen davon, ist aber mit überhasteten Ballverlusten auch für seine Mitspieler lästig. Insgesamt einer der wenigen Lichtblicke. Eine verunglückte Flanke trifft sogar den Pfosten, wäre zu schön gewesen.

Perotti. Dancing with myself. Perotti ist ein Billy-Idol-Fan, wenn man genau hinsieht. Als einer der Aktivposten bringt er mit seinen Dribblings immer wieder Schwung zu Beginn des Spiels, verpasst aber mit seiner Ballverliebtheit häufig den richtigen Moment. Ein Schritt vor, zwei zurück.

Dzeko. Lost in Space. Ist nur anfänglich mit Ablegern und guten Laufwegen eingebunden, verliert sich mit dem Ticken der Uhr immer mehr im luftleeren Raum. 

Gerson. Halbe Miete. Bemüht sich, erarbeitet sich gute Gelegenheiten, macht nie was daraus – auch weil selten unterstützt.

Strootman. Nullrendite. Ersetzt nach einer Stunde den glücklosen Pellegrini, merkt man aber nicht.  

Defrel. Mission impossible. Ist nicht der erhoffte Killer im Strafraum, hat aus Zeitgründen nicht mal die Chance, die Abwehr zu kitzeln.

El Sharaawy. Unnötig frisiert. Kommt rein und darf Minuten später hinten aushelfen.

19.11.2017

AS ROMA – Lazio 2–1

Die Zusammenfassung:

Di Francesco konnte seine Feuertaufe im Derby mit einer taktisch klugen Partie für sich entscheiden. Waren die ersten, 45 Minuten recht ausgeglichen, sorgte der Doppelschlag nach der Pause für klare Verhältnisse. Schlüssel zum Sieg waren die läuferische Leistung, die das Mittelfeld der Gäste streckenweise blass aussehen ließ, und das exzellente Pressing in der Offensive. Die Roma bewies eine früher oft vermisste Nervenstärke. Wenn der Coach es schafft, dass die Spieler auch nach dem Derbysieg nicht abheben und weiter als Einheit auftreten, braucht man auch vor den kommenden Topduellen keine Angst haben.



Die Einzelkritiken:

Alisson. Number 1. Zwar wird es im Strafraum hin und wieder brenzlig, doch wirklich gefährliche Bälle kommen nicht auf seinen Kasten. Schätzt die Flanke vor dem Elfmeterpfiff nicht gut ein, könnte mit seinem Zögern Manolas eventuell verunsichert haben, Kostas darf dann dennoch nicht mit dem Oberarm ran. Bleibt weiterhin der Torwart mit den wenigsten Gegentreffern.

Florenzi. Einatmen, Aufatmen. Begleitet punktuell die Offensivaktionen und schießt dabei einem Laziale zwischen die Beine, das gibt im Derby Extrapunkte. Bis zu Lukakus Einwechslung hält er seine Seite recht gut, begleitet schön das 2-0 über rechts. Flo wird dann aber vom starken Belgier und Knieschmerzen (nicht das operierte und wohl nix schlimmes) ausgehebelt.

Manolas. Nomen est Omen. "Mano! Mano!" keifen die Laziali, "Manolas! Manolas!" rufen seine Mitspieler. "Mannaggia la miseria!" rufe ich vor dem Fernseher. Der VAR ist das egal, Elfmeter für die Gäste, unnötiger Stress in der Schlussphase. Bis zum Aussetzer hatte der Grieche seine Gegner im Griff.

Fazio. Groß-Magnon. Der Urmensch war eines Tages einfach da und verscheuchte in all seiner Überlegenheit die Neandertaler aus seinem Hoheitsgebiet. Evolution an Fazio erklärt für die Generation Twitter.

Kolarov. Mister Teflon. Halb Mensch, halb Bratpfanne, lässt Aleksandar die Pfiffe seiner ehemaligen Fans an sich abperlen und haut Bastos ein dickes Ei in die Pfanne, um Perotti zum Elfmeterpunkt zu bitten.

Nainggolan. Weltwunderwaffe. Kaum jemand dachte, dass er rechtzeitig wieder auf die Beine kommen würde. Der nikotinbetriebene Supercyborg zeigt jedoch Powerfußball der Extraklasse, lasert alles aus seinem Weg und schießt die gelbrote Menge ins Paradies.

De Rossi. Derby night fever. Daniele hatte mal zugegeben, dass er vor dem Derby selten schläft, über den dunklen Augenrändern brennt dennoch das für ihn typische Feuer. Teilt mal aus, steckt mal ein und führt am Ende das Team unter die Curva Sud. Zum ersten Mal als "Capitan Presente."

Strootman. Mobiler Deich. Der Niederländer besinnt sich seiner Stärken und hält im Verbund mit seinen Kollegen das Mittelfeld dicht.

El Sharaawy. Fleißiges Bienchen. Findet in der Offensive keinen Stich, sammelt emsig Bonus-Meilen mit Florenzi auf seiner Seite.

Dzeko. Pragmatiker. Fürs Auge sind nur ein Kopfball und ein Drehschuss in der ersten Hälfte dabei, was aber seine sehr mannschaftsdienliche Leistung nicht schmälert. Die Tore werden wiederkommen, keine Frage.

Perotti. Der Eismann. Diego scheint der Ball am Fuß festgefroren, was bis zur Halbzeit eher negativ auffällt. Mit dem Elfmetertor im Stile eines Sergio-Leone-Streifens zeigt er andere eiskalte Qualitäten, denen er mit dem Ballgewinn gegen Bastos und der Vorlage zum 2-0 noch eins draufsetzt.

Gerson. Frühreif. Löst einen etwas unglücklichen ElSha ab und schenkt dem Team mit der Ballbehandlung eines Altstars Sicherheit auf rechts außen.

Bruno Peres. Einreisestopp. Manchen Anhängern setzt das Herz kurz aus, als der Brasilianer an der Seitenlinie steht. Doch Di Francescos Entscheidung ist genau richtig, denn Peres schränkt Lukakus Freiheiten direkt ein.

Juan Jesus. Epilog. Der Letzte macht die Tür zu.

06.11.2017

AC Fiorentina - AS ROMA 2-4

Die Zusammenfassung:

Was sagt uns das Spiel gegen Florenz? Eusebio Di Francesco hat der Roma eine Identität gegeben – die eines Chamäleons: Wandelbar, anpassungsfähig, bisweilen farbenfroh. Der Trainer setzt auf Rotation und wird von seinen Spielern am Schluss auch belohnt. Die Abwehr schwamm im toskanischen Regen zum Teil stark, nach der Pause hatten die giallorossi die Partie besser unter Kontrolle und fuhren den verdienten Dreier ein.

Die Einzelkritiken:

Alisson. Becker-Hecht. Seine Glanzparade gegen Chiesa vor der Halbzeit und gegen Veretout danach sind der Gamechanger.

Florenzi. Akku alle. Hat seine liebe Mühe mit Chiesa und zeigt sich vorne wenig gefährlich, dosiert seine schwindenden Kräfte halbwegs gut bis Schlusspfiff.

Fazio. Marmorblock. Zu Michelangelos David gesellt sich in Florenz der römische Fazio als Statue: Beim 2-2 entwischt ihm Simeone, sonst auch etwas hüftsteif.

Manolas. Himmel und Hölle. Lässt einen Konter dazu, bügelt es selbst wieder aus, blockt gefährliche Schüsse und erzielt mit mehr Glück als Verstand das 3-2. Am Ende geht's doch ins Paradies.

Kolarov. Wackelkontakt. Hinten lässt sich sich der Serbe vor dem 1-1 viel zu austanzen, ist dafür in der Offensivphase immer wieder für Gefahr gut,schlägt die Ecke zum 3-2.

Nainggolan. Thermomix. Schreddert wie in alten Zeiten alles klein, was ihm vor die Füße fällt und macht daraus leckere Snacks für die Kollegen. Beflügelt vom Nationalmannschaftscomeback.

Gonalons. Leichtfuß mit Lichtblicken. Wechselt zwischen guten Aktionen, unnötigen Ballverlusten und schlechter Zweikampfführung ständig hin und her. Unterm Schlussstrich "gut gegangen"!

Pellegrini. Blockade. Spielt ohne Präzision und Inspiration. Ganz so, als hätte ihn die Nichtnominierung durch Ventura aus dem Konzept gebracht.

Gerson. Gern so! Langes Eck, kurzes Eck, die Überraschung des Tages ist endgültig vom Abstellgleis auf die Hochgeschwindigkeitstrasse. Was noch besser werden kann ist die Defensive, beim Tor von Veretout schläft er leider.

Dzeko. Bauarbeiter. Die Architekten des Sieges sind andere, Edin hilft jedoch bei der Grundsteinlegung fleißig mit: Rackert, schafft Freiräume, spitzelt per Kopf Manolas den Ball zur endgültigen Führung zu.

El Sharaawy. Auf Sparflamme. Vom Glanz der Champions League zum verregneten Ligaalltag ist der Weg kurz. Legt zumindest sauber das 1-0 auf.

Perotti. Endläufer. Beim Staffellauf macht er zum Schluss den Deckel drauf und ärgert die Gastgeber mit klasse Dribblings.

Strootman. Sekundenkleber. Hilft in der Endphase mit, das Mittelfeld zusammenzuhalten und den Sieg nach Hause zu schaukeln.

Defrel. Auf Eis. Schafft es in 10 Minuten, mehrere Großchancen auszulassen.